Geschichte

Ursprung und Entwicklung

Am 1. November 1808, in einer Zeit politischer Wirren und der Verweltlichung der Kirche gründete Clemens August Droste zu Vischering, Kapitularvikar des Bistums Münster, die Genossenschaft der Barmherzigen Schwestern mit der Aufgabe, Kranke in ihren Wohnungen zu pflegen. Vorbild war dabei die Gründung des hl. Vinzenz von Paul, der in Frankreich die ersten Gemeinschaften zur Pflege der Kranken gründete.

Nachdem alle kirchlich / sozialen Einrichtungen in Münster durch Napoleon aufgelöst waren, gewinnt Clemens August Droste zu Vischering fünf Frauen, die sich der Kranken annehmen. Oberin der kleinen Gruppe ist Maria Alberti, eine Konvertitin aus Hamburg. Clemens August gibt den Schwestern eine geistliche Regel.

"Ich bin in diese Gemeinschaft eingetreten, um meine Freude einzig darin zu suchen, daß ich Gott recht von ganzem Herzen liebe und aus Liebe zu Gott den am meisten leidenden Menschen diene. All meine Sehnsucht soll auf Gott, all meine Wohltätigkeit auf die leidenden Menschen um Gottes Willen gerichtet sein." (erste Regel)

In den Zeichen der Zeit vernehmen wir Gottes Anruf und suchen auf immer neuen Wegen ihm zu entsprechen. (7)

Droste zu Vischering
Kapitularvikar Clemens August Droste zu Vischering.

Die Frauen pflegten die Kranken und halfen wo Not war. Als in den Jahren 1810 bis 1813 in Münster eine Ruhr- und Typhus-Epidemie ausbrach, waren sie unermüdlich tätig, ebenso der Stifter Clemens August. Maria Alberti starb am 1. Februar 1812 an den Folgen der Infektion. Ihr Grab befindet sich auf dem Hörsterfriedhof in Münster. Eine neue Herausforderung war für die kleine Gemeinschaft die Übernahme der Pflege im Clemenshospital am 1. Mai 1820.

Das Clemenshospital, in den Jahren 1731 bis 1754 von Clemens August von Bayern, Kurfürst von Köln und Bischof von Münster, erbaut, war ursprünglich ein Kloster der Barmherzigen Brüder vom heiligen Johannes von Gott. Während der Säkularisation, im Jahre 1818, wurden die Brüder abgezogen. Die Pflege der Kranken wurde von schlecht bezahlten Hilfskräften übernommen. Das Hospital geriet schnell in einen trostlosen Zustand. Um den weiteren Verfall aufzuhalten, setzte sich der Verleger Hüffer, später Bürgermeister von Münster, der Mitglied der städtischen Armenkommission war, dafür ein, die Pflege den Barmherzigen Schwestern zu übertragen.

Das Clemenshospital war für die Gemeinschaft bis 1862 zugleich auch das Mutterhaus. Seit dieser Zeit werden die Barmherzigen Schwestern Clemensschwestern genannt.

1840 werden die ersten Clemensschwestern außerhalb von Stadt und Bistum Münster tätig. Sie übernehmen die Pflege im Marienhospital in Arnsberg. Weitere Niederlassungen folgen, u. a. in Warendorf, Kleve, Geldern.

Beim fünfzigjährigen Bestehen waren bereits 200 Schwestern in 43 Niederlassungen tätig. Ein besonderes Ereignis war der Allerheiligentag 1858. Die Gemeinschaft erhielt die Anerkennung als kirchliche Kongregation durch Papst Pius IX. Seither führt die Gemeinschaft den Namen: "Genossenschaft der Barmherzigen Schwestern von der allerseligsten Jungfrau und schmerzhaften Mutter Maria (Clemensschwestern)".

Clemenshospital
Das Clemenshospital in den zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts.

1862 bezogen die Schwestern das neue Mutterhaus an der Loerstraße in Münster. Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts war geprägt durch Kriege. Clemensschwestern waren sowohl in den Heimatlazaretten als auch an der Front eingesetzt.

Ab 1907 wurden Lehrgänge für das Desinfektionsexamen durchgeführt und nachdem die preußische Regierung am 10. Mai "Vorschriften über die staatliche Prüfung von Krankenpflegepersonen" erlassen hatte, wurden im Mutterhaus und im Clemenshospital Krankenpflegeschulen errichtet. 1918 errichteten die Clemensschwestern die erste Säuglingspflegeschule.

Mutterhaus Loerstraße
Eingang des im Krieg zerstörten Mutterhauses der Schwestern an der Loerstraße.

Im ersten Weltkrieg (1914/1918) waren Schwestern in Lazaretten und auf den Hauptverbandsplätzen tätig. Einige gerieten in Kriegsgefangenschaft, wurden aber wieder freigelassen. Die Schwestern waren auf den Kriegsschauplätzen in Frankreich wie auch im Osten eingesetzt. Zwei Schwestern starben in Frankreich. Aber noch größeren Einsatz forderte der Zweite Weltkrieg. Schon zu Beginn des Krieges wurden die ersten Schwestern eingezogen.

Am 10. Oktober 1943 wird das Mutterhaus von Bomben zerstört. 50 Schwestern finden den Tod, darunter die Generaloberin, ihre Assistentin, zwei Provinzialoberinnen und vierzehn Oberinnen.

Nach dem Bombenangriff am 12. September 1944 sind Mutterhaus und Raphaelsklinik soweit zerstört, daß die Evakuierungen beginnen. Der Altar aus der zerstörten Mutterhauskirche wurde aus den Flammen gerettet und eher aus Zufall 1995 wiederentdeckt.

Nachdem der Altar jetzt einige Jahre im Stadtmuseum, Münster ausgestellt war, erhält er jetzt seine Aufstellung im Mutterhaus, in der neuen Gedenkstätte für Schwester M. Euthymia . (Zugang von der Loerstraße)

Altar
Der Altar wurde im Zweiten Weltkrieg aus den Flammen der Mutterhauskirche gerettet.

1951 wird der Grundstein für das neue Mutterhaus gelegt und am 15. September 1952 eingeweiht.

Am 9. September 1955 stirbt in der Raphaelsklinik Schwester M. Euthymia. Ihre Seligsprechung fand am 7. Oktober 2001 in Rom statt.

"Oh, daß ich zu denen gehörte, die verwundet sind von der Liebe!" (Schwester M. Euthymia)

Die neue Mutterhauskirche kann am 20. März 1959 eingeweiht werden.

Weil wir den Menschen mehr geben möchten, als die Kraft unserer Hände und unseres Herzens vermag, tragen wir alle Sorge um sie immer wieder im Gebet vor Gott. (6)

Im Mai 1962 wurde das neue Clemenshospital am Düesbergweg bezogen.

Mutterhaus
Der Kreuzgang des Mutterhauses an der Klosterstraße.

1969/1970 tagt das Reformkapitel der Clemensschwestern. Die Veränderungen in Kirche und Gesellschaft machen es notwendig, die bisherigen "Anweisungen" neu zu überarbeiten. Am 1. November 1970 genehmigen die Bischöfe in deren Diözesen Clemensschwestern tätig sind, die neuen "Weisungen 1970 für die Barmherzigen Schwestern (Clemensschwestern).

1971 wird das erste Generalkapitel gewählt.

Am 5. September 1973 fliegen Schwester M. Milgitha und Schwester M. Ignatis nach Ruanda / Afrika.

1977 werden die "Weisungen 1970" überarbeitet und zum 1. November in Kraft gesetzt.

1983 begeht die Gemeinschaft das 175jährige Bestehen. Schon lange ist nicht mehr die Krankenpflege das alleinige Betätigungsfeld der Clemensschwestern.

Altar
Das neue Clemenshospital am Rand der Stadt Münster setzt die Tradition des so eng mit der Genossenschaft verbundenen alten Hospitals fort.

1330 Clemensschwestern sind tätig in: 41 Krankenhäusern, 32 Alten- und Pflegeheimen, vier Kinderheimen, sechs Kindergärten, 26 Sozialstationen, drei Erholungshäusern, drei Exerzitien- und Bildungshäusern. Außerdem wirken sie im sozialen und pastoralen Dienst, in der Familienpflege und in der Mission.

Schwesterliche Gemeinschaft verwirklicht sich vor allem in der Feier der Eucharistie. Hier handelt Gott in Christus an uns und durch uns zum Heil der Menschen. In der Eucharistie gibt uns Christus unsere Sendung und die Kraft, seinen Tod und seine Auferstehung weiterzusagen und zu leben, bis er wiederkommt. Aus ihr erwächst die Bereitschaft, den Menschen die Liebe Gottes und die Freude der Erlösten zu künden, mit ihnen das Kreuz zu tragen und an die Zukunft zu glauben. So ist die Eucharistie die Mitte unseres Lebens. (54)

1999 errichten die Clemensschwestern die "Maria Alberti Stiftung". Bei geringer werdender Zahl der Schwestern soll eine Institution entstehen, die ein Fortdauern der von den Clemensschwestern geschaffenen Einrichtungen für die Zukunft sichert.

Wahre Gemeinschaft bringt ungeahnte Freude. Es ist die Freude Christi, die uns über alle Unterschiede hinweg eins sein lässt. Gerade die Vielfalt in der Einheit bereichert uns. Je mehr eigenständig Denkende sich in einer Gemeinschaft zusammenschließen, um so dynamischer ist sie. (75)

Lesen Sie auch:
- Informationen zu Maria Alberti
- Archiv der Clemensschwestern im Mutterhaus
- Die Spiritualität der Barmherzigen Schwestern
- Die Aufgaben heute