Jesu Kreuzweg durch zwei Welten

21. März 2026 Impulse

Der Schnitzaltar im Euthymia-Zentrum stellt in vier großen Tafeln Auszüge aus dem Kreuzweg Jesu dar. Das erste Kreuzwegbild soll hier betrachtet werden.

Jesus mit dem schweren Kreuz auf seiner Schulter ist von Menschen umgeben; Menschen, denen er entgegenkommt, die warten und ihn begleiten wollen: Maria, seine Mutter; Maria von Magdala; Johannes, der Jünger, und ein Freund: Josef von Arimathäa sowie ein Schriftgelehrter. Jesus, gebeugt von der Last des Kreuzes, sein Gesicht vom Leid geprägt, schaut seine Mutter an. Er ist ihr nahe. Sie ist ganz bei ihm, verbunden in wortloser Zwiesprache. Ihre linke Hand fasst ein Ende des Kreuzbalkens an, als wolle sie ihm die Last erleichtern.

Johannes scheint Maria zu stützen, wortlos, mit großer Anteilnahme im Blick. Hinter Maria steht Maria von Magdala, vom Mit-Leid überwältigt hält sie ein Tränentuch vor ihren Mund. Kein Schreien, kein Lamentieren: Anteilnahme pur. Sie steht – Maria stärkend – hinter ihr. Zwei Köpfe sehen wir noch hinter dieser Gruppe. Es könnten Josef von Arimathäa und ein weiterer Schriftgelehrter sein.

Eine zweite namenlose Menschengruppe hat Jesus hinter sich stehen. An ihnen ist er schon vorbei gegangen. Oder führen sie Jesus vor? Gegen diesen Kreuzträger sind sie unsinnig schwer bewaffnet mit Fesseln, Lanzen, Schwertern. Ihre Gesichter sind geprägt von roher Wut, Spott und brutalem Hohn. Bekämpfen sie damit auch ihre eigene Schuld oder Angst?

Jesus steht genau in der Mitte, als teile er die Menschengruppen voneinander.

Ist es ein Abbild des Inneren von uns Menschen, in dem beides lebt: Gutes und Böses, Liebe und Ablehnung, Mitleid und Zorn, Licht und Dunkel? In genau dieser Mitte unseres Menschseins steht Jesus mit seinem Kreuz und dessen Botschaft. Vom ersten Erdentag an erlebt er beide Botschaften: Ablehnung und Liebe. Seinen Rücken, gebeugt von der Last des Kreuzes, sehen die Soldaten. Sein Gesicht voller Zuneigung und sein vom Leid gezeichneter Blick bleiben ihnen verborgen. Dies hingegen erleben alle, die auf ihn warten und mit ihm gehen.

Die Liturgie in den Wochen vor Ostern führt uns diese Wirklichkeit vor Augen. Jesus will uns anschauen, uns begegnen, uns in seine Fußstapfen stellen. Er will bei uns sein, in seinen und unseren Wirklichkeiten.

Sein täglicher Ruf an uns: „Kehrt um – und glaubt an das Evangelium!“ (Mk. 1,15)

Der Altar wurde um 1908 vom Künstler Ferdinand Langenberg aus Goch für die Mutterhauskirche der Clemensschwestern angefertigt.
Am 10. Oktober 1943, beim großen Bombenangriff auf Münster, wurde auch das Mutterhaus schwer getroffen. Soldaten und Schwestern haben ihn aus Trümmern und Flammen gerettet. Er geriet in Vergessenheit, wurde durch einen Zufall von einer Schwester wiederentdeckt, restauriert und fand einen Platz im Stadtmuseum. Im Rahmen der Seligsprechung von Schwester M. Euthymia wurde das Euthymia-Zentrum errichtet mit einem Gebetsraum und einer Ausstellung zu Schwester M. Euthymias Leben und Wirken und zu unserer Ordensgeschichte. Darin fand der Altar 2001 seinen Platz. Schwester M. Euthymia hat 1936 vor diesem Altar in der Mutterhauskirche ihre Profess abgelegt.
Foto und Text: Sr. Elisabethis


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