Epiphanie: Erscheinung des Herrn

5. Januar 2024 Impulse

(Foto: Schw. Elisabethis Lenfers, Autun 2006)

Epiphanie – Fest der Erscheinung des Herrn

Mit diesem Fest, das wir am 6. Januar feiern, wird auch der Beginn der Weitergabe der Botschaft der Geburt Jesu in die ganze Welt hinein begangen: Die Grenzenlosigkeit Seiner Botschaft wird ein Himmels- und Weltereignis. Aus Ländern des Sonnenaufgangs brachen drei Weise auf, die auch Magier, Sterndeuter oder Könige genannt werden. Sie folgten einem Stern, so berichten uns die „alten Bücher“. Irgendwo, unterwegs, werden sich die Drei getroffen haben. Sie reisten zusammen weiter in Richtung Jerusalem. Dort musste er zu finden sein. An diesem Stern hatten sie erkannt, dass ein neuer König geboren worden war. Ihm wollten sie die Ehre erweisen.

Beim König in Jerusalem angekommen verursachte ihre Frage nach dem „neugeborenen König der Juden“ große Aufregung.
Hinzu kam: Die Drei hatten auch noch den Stern aus den Augen verloren, dem sie gefolgt waren. In Jerusalem wurden die Gelehrten zusammengerufen. Sie forschten in den alten Schriften und fanden: „Du Bethlehem, im Lande Juda, bist keineswegs die geringste unter allen Städten Judas, denn aus dir wird hervorgehen der… der dein Volk regieren wird.“ … (vgl. Mt. 2,6)

Die vornehmen Reisenden wurden entlassen mit der Bitte, zurückzukehren, sollten sie den Gesuchten finden. –So brachen sie wieder auf – und „siehe, der Stern zog wieder vor ihnen her und blieb an dem Ort stehen, wo das Kind war.“ (vgl. Mt. 2,9) Ihre Freude war groß, auch wenn sie weder Schloss, Königskrone, Hofdiener oder Beamte fanden. Sondern: Sie fanden ein neugeborenes Kind in einem Stall, am Rande eines Ortes, in einer Futterkrippe zwischen Ochs und Esel, von armen Leuten umsorgt. – Doch sie „erkannten“ in dem Kind den gesuchten König und brachten ihm ihre Geschenke: Kostbarkeiten aus ihrer Welt.

Aus dieser wunderbaren Geschichte wurde von einem Künstler im 13. Jahrhundert, für die neue Kathedrale in Autun in Frankreich, eine Szene „in Stein gemeißelt“: Die ermüdeten Könige schlafend, gemeinsam unter einer Decke liegend, die Kronen noch auf ihrem Kopf. Einheit in der Dreiheit. Sie werden von einem Engel besucht. Dieser kindlich anmutende Bote berührt den kleinen Finger des ihm am nächsten liegenden König mit dem Zeigefinder. Mit der anderen Hand weist er auf den Stern hin. Der so Angerührte öffnet, noch halb im Schlaf, seine Augen. So wird vom Künstler auf einmalige Weise die Traumszene anschaulich gemacht mit dem Auftrag, „nicht wieder nach Herodes zurückzukehren, sondern auf einem anderen Weg heim in ihr Land zu reisen, denn Herodes trachtet dem Kind nach dem Leben.“ (vgl. Mt. 2,12)

Das Bild zeigt eine große Decke, die die Könige in ihrem Schlaf wärmt und beieinander hält. Vom Ärmel des Engels gehen Wellen aus. Sie gehen auf die ganze Decke über. Das dürfen wir sicher als Symbol dafür verstehen, dass die zärtliche himmlische Berührung und Botschaft die Drei ganz erfasst und einhüllt. Sie glauben ihrem Traum-Engel und wachen auf zu einer neuen Wirklichkeit.

Der Heimweg wird ein anderer – aber viel entscheidender: die Drei sind andere geworden. Als Könige zogen sie einst aus. Als Pilger wurden sie reich beschenkt: vom göttlichen Kind, den Engeln, Maria mit Josef und den Hirten.
Die Könige wurden zu Pilgern, die, ohne es zu ahnen, ihren Gott gesucht – und gefunden haben. Sie sind irgendwann aufgebrochen und hatten in ihrer Sehnsucht einen weiten Weg und Raum vor sich. Sie sind angekommen: Bei Gott, bei den Menschen und bei sich selber.

Diese Botschafter und Pilger sind auch heute unterwegs in unserer Welt, in allen Menschen guten Willens. Wie die Engel im Stall verkünden sie Frieden – allen Menschen! Bleiben wir aufmerksam in unserer lauten, gefährdeten, überforderten und überfordernden Welt: Für jeden auch uns geschenkten kleinen Fingerzeig Gottes!


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